11.10.2006 | CDU LV Saar
Di Fabio mit Peter Müller und Dr. Ulli MEyer
Die Kultur der Freiheit - Prof. Di Fabio diskutierte zusammen mit Ministerpräsident Peter Müller die Frage des Stellenwerts und der Sicherung von Freiheit in unserer Gesellschaft.

„Die Freiheit des Einzelnen wird in der heutigen Gesellschaft durch ein Übermaß an Freiheit gefährdet.

Um die Freiheit wiederzuerlangen bedarf es daher der Wiederherstellung von Bindungen.“, so der Bundesverfassungsrichter Prof. Dr. Udo Di Fabio bei der Podiumsdiskussion „Die Kultur der Freiheit“, moderiert vom LACDJ-Vorsitzenden Dr. Ulli Meier.

 

Zusammen mit Ministerpräsident Peter Müller bewies Prof. Udo Di Fabio, dass eine Diskussion um die Grundwerte unserer Gesellschaft keineswegs abstrakt und trocken sein muss, sondern das Publikum auch zwei Stunden lang spannend und packend interessieren kann.

 

Dabei fächerten beide das ganze Spektrum möglicher Aspekte des Freiheitsbegriffs auf und legten anschaulich dar, in welchen Lebensbereichen die individuelle Freiheit Änderungen vollzogen hat und wo die persönliche Freiheit auch in Gefahr gerät.

 

Prof. Di Fabio appellierte an das Publikum, sich der eigenen Verantwortung zu stellen und sich gegen eine Kultur der unverantworteten bindungslosen Freiheit zu wehren. Als Beispiel führte er die Wandlung des Familienbegriffs an. „Die Aufklärung hat den Einzelnen aus den Zwängen der patriarchalischen Großfamilie befreit, aber die heute weiter betriebene Atomisierung von familiären Beziehungen beraubt uns der positiven Seiten der Familie, der Freiheit zu etwas.“ Prof. Di Fabio führte weiter aus: „Jede Investition – wenn Sie den Begriff erlauben- in ein Kind ist eine Investition in die Zukunft. Es ist im Grunde nicht einzusehen, warum diejenigen, die sich für Kinder entscheiden und damit eine Bindung eingehen zugunsten unserer Gesellschaft, sich finanziell gegenüber denen schlechter stellen sollen, die ihre Freiheit nur als Mittel zur bindungslosen Selbstverwirklichung einsetzen.“

 

Diesem Hauptpunkt stimmte auch Ministerpräsident Peter Müller zu, dabei verwies er jedoch auf seine persönlichen Erfahrungen mit diesem Thema: „Selten habe ich so viele negative Zuschriften erhalten, wie nach jener Talkshow, in der ich gesagt hatte, dass all jene, die mit ihrem Beitrag in der Kindererziehung die Zukunft unserer Gesellschaft sichern, auch deutlich besser gestellt werden sollten, als alle, die keine Kinder erziehen.“

 

Peter Müller wies außerdem darauf hin, dass viel mehr um Werte gestritten werden sollte und dass dabei eines deutlich werden sollte: „Für Anhänger der CDU genießt die Freiheit im Zweifelsfall den Vorrang vor der Gleichheit. Selbstverständlich darf es sich dabei nicht um unbeschränkte Freiheit handeln, die dann keine mehr wäre, sondern um die gleiche Freiheit, die bei uns zur sozialen Marktwirtschaft geführt hat, eine verantwortete Freiheit.“

 

Im Hinblick auf die überbordenden und alles regulierenden bürokratischen Regelungen sprachen sich Professor Di Fabio und Peter Müller zusammen dafür aus, nicht immer jeden Einzelfall zu regulieren. Peter Müller: „Ich habe neulich über die Feuerzeugsverkaufsverordnung abgestimmt. Ich glaube nicht, dass jeder Käufer eines Feuerzeugs diese kennt, oder benötigt. Ähnliche Verordnungen und Gesetze gibt es in vielen Bereichen und hier müssen wir weiter auf eine Verschlankung der Bürokratie setzen, indem wir Unnötiges hinter uns lassen.“ Professor Di Fabio stimmte dem zu: „Nur ein schlanker Staat kann auch ein effizienter und ein starker Staat sein. Vergleichen Sie das ruhig mit einem Mensch, der joggen will: je mehr Gewicht er mit sich rumschleppen muss, desto schwerer wird es ihm fallen!“

 

Zum Thema Religion sagte Professor Di Fabio: „Der Ausspruch, dass Religion nur Opium für das Volk sei, entspringt irrgeleiteten Materialisten des vergangenen Jahrhunderts. Diese verkennen, dass der Mensch auf seiner Sinnsuche weit mehr benötigt und findet, als nur einen moralischen Codex aus Verhaltensregeln und Anforderungen.“